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23.08.2017

Rückblick auf die Veranstaltung «Frieden in Kolumbien, was bedeutet das wirklich?»

Am Montag 21. August 2017 war Margoth Roldán, die Verantwortliche für das Horyzon-Programm in Kolumbien, zu Gast bei Horyzon in Olten. Sie erklärte im Gespräch mit Irène Hofstetter, Programmverantwortliche Lateinamerika bei Horyzon, wie sie den Friedensprozess in Kolumbien wahrnimmt.

 

Zu Beginn wies Margoth Roldán darauf hin, dass der aktuelle Friedensprozess nicht der erste Versuch sei, den seit mehr als 50 Jahren andauernden bewaffneten Konflikt zwischen der Regierung und der FARC-Guerilla zu beenden. Alle bisherigen Versuche scheiterten und meistens waren egoistische Gründe von Politikern die Ursache dafür. Die Unterzeichnung des Friedensvertrags nach mehr als vier Jahren Verhandlungen wird international als grosser Erfolg gefeiert. Doch Roldán stellte klar, dass die wirklich grossen Herausforderungen erst jetzt auf die kolumbianische Bevölkerung zukämen. Dazu gehören komplexe Themen wie Gerechtigkeit, Genugtuung, Versöhnung und Vergebung.

 

Roldán erklärte auch, dass der Friedensprozess und die Abstimmung über das Abkommen zu einer starken Polarisierung in der Gesellschaft und in der Politik geführt hätten. Der Friedensnobelpreis für den Präsidenten Juan Manuel Santos habe die Spaltung sogar noch verschärft. Den damit verstärkte sich der Eindruck, dass der Präsident mehr aus egoistischen Motiven handle, als für die Bevölkerung.

 

Roldán ging auch auf die Situation der Jugendlichen ein und erklärte, wieso viele Jugendliche aus Armenquartieren von der Regierung enttäuscht seien. Diese Jugendlichen haben sehr oft keine Bildungsmöglichkeiten und entsprechend keine Chancen, eine Arbeitsstelle zu finden. Mit dem Friedensabkommen erhalten nun frühere Guerilla-Mitglieder gewisse Unterstützung beim Wiedereinstieg in das zivile Leben. Dadurch fühlen sich andere Jugendliche benachteiligt.

Auch die Entwicklungen im Nachbarland Venezuela haben gemäss Roldán negative Auswirkungen für junge Kolumbianerinnen und Kolumbianer. Jugendliche, die aus Venezuela nach Kolumbien geflüchtet sind, arbeiten in ihrer Not zu absoluten Tiefstlöhnen und nehmen so jungen Kolumbianer/-innen dringend benötigte Arbeitsplätze weg.

 

Eine Umfrage von YMCA Kolumbien zeigt, dass es unter kolumbianischen Jugendlichen drei verschiedene Haltungen in Bezug auf den Friedensprozess gibt. Einige Jugendliche spüren bisher gar keine Veränderungen, einige haben noch immer Hoffnung auf positive Veränderungen und wieder andere fühlen sich verunsichert aufgrund der erwarteten Veränderungen. Alle Jugendlichen äusserten jedoch klare Wünsche gegenüber Organisationen wie YMCA Kolumbien. Sie wünschen sich Unterstützung in Themen wie Gewaltprävention, gesellschaftliche und politische Partizipation, Versöhnung und friedliches Zusammenleben, Einkommensbeschaffung und auch Schutz von Umwelt und Ressourcen. Horyzon und YMCA Kolumbien werden diese Anliegen in der weiteren Programmplanung berücksichtigen, um den kolumbianischen Jugendlichen weiterhin relevante Projekte anbieten zu können.

 

Weitere Fotos folgen in Kürze!

 

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