Palästina: Recht auf Selbstbestimmung

Jugendliche engagieren sich für ihre Rechte.
Ein Programm, das Jugendlichen Kenntnisse über ihre politischen, sozialen und ökonomischen Rechte vermittelt und ihr aktives Engagement für Frieden und Sicherheit fördert.

HINTERGRUND UND PROGRAMMUMFELD

Der ungelöste israelisch-palästinensische Konflikt ist eines der Haupthindernisse für Frieden und nachhaltige Entwicklung in der gesamten Region des Mittleren und Nahen Ostens, vor allem aber in den besetzten Palästinensischen Gebieten, die das Westjordanland einschliesslich Ost-Jerusalem und den Gaza-Streifen umfassen. Jene Gebiete also, in denen gemäss den Friedensinitiativen der 90er-Jahre der zukünftige Staat Palästina hätte entstehen sollen und in dem bereits die fünfte Generation unter der Militärbesatzung seit 1967 heranwächst.
Die palästinensische Bevölkerung ist ausgesprochen jung. 30% der Gesamtbevölkerung ist zwischen 15 und 29 Jahre jung, der Anteil der Kinder unter 18 Jahren beläuft sich sogar auf 45%. Das Leben unter der Besatzung, eine sehr hohe Arbeitslosigkeit sowie eine konservativ-patriarchale Gesellschaftsstruktur berauben die jungen Menschen und insbesondere Frauen ihrer Kontrolle und Selbstbestimmung über Alltag und Zukunft. Es fehlt das Vertrauen in die Regierung, in der eine Generation männlicher Politiker über 60 Jahre dominiert und die Jugendlichen und Frauen von Entscheidungsprozessen weitgehend ausschliesst.
Auch drei Jahre nach dem Beitritt zum UN-Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (1979) ist die nationale Gesetzgebung in den besetzten Palästinensischen Gebieten nicht an die Vorgaben der Konvention angepasst. Annährend die Hälfte der palästinensischen Gesellschaft sind Frauen, aber patriarchale Gesellschaftsstrukturen sowie die herrschende Geschlechterungleichheit verwehren ihnen den Zugang zur ökonomischen und politischen Partizipation. Trotz hohem Ausbildungsniveau ist der Anteil der Frauen im Arbeitsmarkt gering und nach wie vor gelten im Arbeitsmarkt Gesetze, die Frauen gegenüber Männern benachteiligen.

Horyzon arbeitet seit über 30 Jahren mit YWCA Palästina zusammen und setzt sich an den Standorten Bethlehem, Jericho, Jerusalem und Ramallah sowie in zwei Flüchtlingslagern im Westjordanland für die Förderung der Rechte und der politischen Bildung von Frauen ein.

ZIELGRUPPEN

300 Jugendliche im Alter von 16 bis 29 Jahren (davon mind. 60% junge Frauen), die in den Flüchtlingslagern Aida, Tulkarem und Al-Jalazon im Westjordanland leben, nehmen während eines Jahres regelmässig an verschiedenen Workshops zu Themen politische Partizipation, Anwaltschaft und Lobbying teil. Durch die Umsetzung von drei Initiativen erhalten rund 1000 Jugendliche als indirekt Begünstigte Kenntnisse über ihre politischen, ökonomischen und sozialen Rechte.

ZIELE

Das Projekt fördert die Mitbestimmung und das aktive Engagement von Jugendlichen, insbesondere von jungen Frauen, in Entscheidungsprozessen der palästinensischen Gesellschaft und innerhalb des YWCA. Die jungen Menschen werden in ihrem Bewusstsein gestärkt und ermächtigt, aktiv ihre Bürgerrechte gegenüber Entscheidungsträgern einzufordern und übernehmen eine gestaltende Rolle in der Förderung und Wahrung von Frieden und Sicherheit.

Aktivitäten und Wirkung

Partizipation von Jugendlichen in Entscheidungsprozessen

Aktivitäten

• Durchführung von Ausbildungen zu Schutz und Rechte der Frauen sowie zur Rolle und Bedeutung von Jugendlichen bei der Friedensförderung (UN Resolutionen 1325, 2250)
• Durchführung von Workshops zu Anwaltschaft und Lobbying
• Durchführung von Workshops für die Erarbeitung und Dokumentation einer YWCA-Strategie zur Ermächtigung von Jugendlichen

Wirkung

Die Jugendlichen kennen und verstehen ihre sozialen, ökonomischen und politischen Rechte und verfügen über die notwendigen Kenntnisse und das Selbstvertrauen, sie für sich einzufordern. 

Aktives Engagement Jugendlicher auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene Aktivitäten

Aktivitäten

• Entwicklung und Umsetzung von drei lokalen Initiativen zum Thema Partizipation in Entscheidungsprozessen
• Durchführung von Gesprächen mit verschiedenen Regierungsvertretern über die Bedeutung von Jugendlichen für Sicherheit und Frieden und ihre Partizipation in Entscheidungsprozessen
• Teilnahme von je einer jungen Frau am YWCA-Weltkongress in Johannesburg und an der Jahresversammlung der UN-Frauenrechtskommission in New York, wo sie für die Probleme der Jugendlichen in Palästina sensibilisieren

Wirkung

Die Jugendlichen kennen ihre Rechte und Möglichkeiten der politischen Partizipation. Sie engagieren sich in lokalen Entscheidungsprozessen der palästinensischen Gesellschaft und innerhalb des YWCA und übernehmen eine gestaltende Rolle bei der zukünftigen Wahrung von Sicherheit und Frieden.

 

Standorte

Palästina

Auf einen Blick

Flag of Palestine
Fakten zum Programm

Bezeichnung: Recht auf Mitbestimmung – Jugendliche engagieren sich für ihre Rechte
Partnerorganisation: YWCA Palästina
Standorte: Bethlehem, Ramallah, Jericho
Ziel: Jugendliche, die in den Flüchtlingslagern Aida, Tulkarem und Al-Jalazon im Westjordanland leben, lernen ihre politischen, sozialen und ökonomischen Rechte kennen und verfügen über das notwendige Wissen und Selbstvertrauen, sie einzufordern.
Zielgruppe: Workshops und Trainings für 300 Jugendliche, die in den Flüchtlingslagern Aida, Tulkarem und Al-Jalazon im Westjordanland leben, weitere 1000 Jugendliche als indirekt Begünstigte
Mittelbedarf 2019: CHF 35'000
Dauer: 2019-2020
Verantwortlich: Isabelle Aebersold isabelle.aebersold at horyzon.ch

Fakten über Palästina

Hauptstadt: Ostjerusalem
Einwohner: 4.9 Mio
Human Development Index: 0,686 (Rang 119.)
Lebenserwartung: 73.6 Jahre
Medianalter: 19.3 Jahre
Jugendarbeitslosigkeit (15-24 Jahre): 44.5%

Quelle: Human Development Report