Uganda: Hope Beyond Borders - Bessere Pespektiven für Geflüchtete

HINTERGRUND UND PROGRAMMUMFELD

Über 900’000 Menschen aus dem Südsudan sind in den letzten Jahren ins benachbarte Uganda geflohen, dies vor allem aufgrund des Bürgerkriegs in ihrem Heimatland und der andauernden Sicherheitskrise. In der Flüchtlingssiedlung Kiryandongo, im Norden von Uganda, leben 70’000 dieser Flüchtlinge. Mehr als die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Aufgrund der schwierigen Bedingungen in der Siedlung sind einige der Geflüchteten mangelernährt und es gibt viel sexuelle Gewalt. Zudem kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Ethnien. Das Horyzon-Projekt unterstützt und fördert die Jugendlichen auf zwei verschiedenen Ebenen: im psychosozialen und im ökonomischen Bereich. Von Gewalt betroffene Jugendliche können Therapien besuchen. Dort erlernen sie Strategien, um Traumata zu überwinden. Jugendliche haben die Möglichkeit, sich zu Laien-Beratenden ausbilden zu lassen und somit andere Betroffene psychosozial zu unterstützen. In begleiteten Jugendgruppen werden sie über Tabuthemen wie Verhütung, Menstruation und Sexualität informiert und sie können sich darüber austauschen. Die Jugendlichen können sich zudem auch im finanziellen Bereich neues Wissen aneignen. Sie werden im Thema berufliche Selbständigkeit geschult und können anschliessend eine Geschäftsidee einreichen, um Startkapital für ein eigenes kleines Geschäft zu erhalten. 

Dank der Unterstützung im psychosozialen und im wirtschaftlichen Bereich haben die geflüchteten Jugendlichen eine Chance, sich eigenständig zu entwickeln. So erhalten sie eine Perspektive für die Zukunft und können sich aktiv an der Friedens- und Gerechtigkeitsförderung in der Flüchtlingssiedlung beteiligen. Die Jugendlichen lernen, was zu Konflikten führen kann, und wie sie diese beeinflussen können, damit Auseinandersetzungen auf der Kommunikations- statt auf der Gewaltebene gelöst werden. 

ZIELGRUPPEN

Das Projekt zielt auf besonders marginalisierte Gebiete in den Flüchtlingssiedlungen Kiryandongo und Adjumani ab. Die Zielgruppe besteht zu 70% aus südsudanesischen Geflüchteten und zu 30% aus Menschen aus den ugandischen Aufnahmegemeinden, welche psychosoziale oder existenzsichernde Unterstützung benötigen. 60% der Zielgruppe sind Jugendliche zwischen 16 und 30 Jahren, 60% weiblich und 5% sind Menschen mit Beeinträchtigungen. 

Insgesamt profitieren rund 800 Personen direkt durch die Teilnahme an den Aktivitäten des Projekts, und rund 1'200 weitere Personen werden indirekt z.B. durch Sensibilisierungskampagnen erreicht.

ZIELE

Das langfristige Ziel des Projekts ist es, den geflüchteten Jugendlichen Wissen und Fähigkeiten zu vermitteln, so dass diese sich aktiv für die Förderung von Gerechtigkeit und Frieden sowohl in Uganda als auch im Südsudan einsetzen können. Das Ziel wird auf drei Wirkungsebenen verfolgt: auf einer individuellen Ebene (Mikro-Ebene), auf der Gemeindeebene (Meso-Ebene) und auf einer politischen Ebene (Makro-Ebene).

Unterstützt durch:

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Standorte

Aktivitäten und Wirkung

Wirkungen

Das Projekt ist pro Ebene auf eine Projektkomponenten unterteilt. Pro Komponente werden Wirkungen und Aktivitäten festgelegt:

  • Jugendliche haben Bewältigungsstrategien, um mit individuellen und gesellschaftlichen Herausforderungen umzugehen (Mikro-Ebene)
  • Jugendliche engagieren sich aktiv in ihren lokalen Gemeinschaften (Meso-Ebene)
  • Jugendliche engagieren sich in der politischen Interessenvertretung und Entscheidungsfindung (Makro-Ebene)

Jugendliche haben Bewältigungsstrategien

Aktivitäten
  • Betroffene von Gewalt erhalten psychosoziale Unterstützung und lernen Strategien, um ihre Traumata bewältigen zu können. Besonders schwere Fälle werden an spezialisierte Institutionen weiterverwiesen und erhalten rechtliche Unterstützung und Repräsentation vor Gericht.
  • Geflüchtete und lokale ugandische Bewohner*innen werden zu Laien-Berater*innen ausgebildet, welche psychosoziale Unterstützung leisten.
  • Durch Teilnahme in «Safe Space»-Gruppen haben Jugendliche einen sicheren Ort, um Tabuthemen wie Menstruation, Pubertät und Verhütung zu besprechen und erhalten Informationen über ihre Sexualität und reproduktive Gesundheit.
  • Jugendliche schliessen sich zu Spargemeinschaften zusammen und verbessern ihr Finanzwissen und ihre Englischkenntnisse.

Jugendliche Engagieren sich aktiv in ihren Gemeinschaften

Aktivitäten
  • Jugendliche nehmen an Trainings teil, in denen sie Techniken und Kompetenzen der Friedensförderung erlernen. In «Friedens-Gruppen» werden Narrative zu ethnischen Unterschieden, Geschlechterungleichheit und Racheakte diskutiert und in Film, Theaterstücken oder Liedern verarbeitet.
  • Jugendliche lernen in «Advocacy-Trainings» wie sie in ihren Gemeinden Sensibilisierungskampagnen durchführen können, welche Themen wie z.B. Zwangsverheiratungen behandeln.
  • Durch die gezielte Weiterbildung von lokalen Journalist*innen und durch Radioprogramme erhalten die jugendlichen Geflüchteten einen verbesserten Zugang zu Informationen und gleichzeitig wird die ugandische Gesellschaft für die Anliegen von Geflüchteten sensibilisiert.

Jugendliche beteiligen sich politisch

Aktivitäten
  • Dialogplattformen werden organisiert und durchgeführt, in welchen Jugendliche ihre Anliegen mit Entscheidungsträger*innen diskutieren können, um politische Veränderungsprozesse anzustossen (z.B. Anpassung von Gesetzen oder Regelungen zum besseren Schutz der Rechte von Geflüchteten).
  • Jugendliche nehmen an lokalen, nationalen und internationalen Symposien zum Einsatz für eine Inklusion von jugendlichen Geflüchteten teil.

Resultate 2022

Jugendliche haben Bewältigungsstrategien
  • 628 Personen erhielten persönliche psychosoziale Beratung. Insgesamt 269 Personen wur-den mit extremen psychosozialen Problemen bewertet und zur speziellen Unterstützung an Partnerorganisationen verwiesen.
  • 110 Jugendliche nahmen regelmäßig an wöchentlichen Treffen an einem sicheren Ort teil, um Tabuthemen wie Menstruation, Pubertät und Verhütung zu besprechen und aufgeklärt zu werden. Sie wissen somit besser über ihre Gesundheitsrechte Bescheid.
Jugendliche engagieren sich aktiv in ihren Gemeinschaften
  • 52 Jugendliche nahmen an einer Advocacy-Schulung teil, mit einem Fokus auf die UN-Resolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit. Dabei haben sie gelernt haben, wie sie sich bei politischen Entscheidungsträgern für diese Themen und ihre Anliegen und diejenige ihrer Gemeinschaft einsetzen können. Zudem wurden Aktionspläne entwickelt, die später als Grundlage für die Durchführung von durch die Jugendlichen geleiteten Kampagnen zur Interessenvertretung in den Gemeinden und zur Sensibilisierung für sexuelle und geschlechts-spezifische Gewalt und häusliche Gewalt unter Flüchtlingen dienten.
  • 6 Gruppen von Friedensstiftern innerhalb und außerhalb der Flüchtlingssiedlung Kiryandongo wurden gegründet mit insgesamt 243 (73 weiblichen und 170 männlichen) Jugendlichen. Die Friedensstifter wurden in den Bereichen Lobbyarbeit, Friedensbildung und Konfliktlösung sowie Konfliktanalyse und -dokumentation geschult. Die Gruppen wurden unterstützt bei der Durchführung von Kampagnen für den sozialen Wandel, wobei sie sich auf den Aktionsplan und die während der Schulung erworbenen Fähigkeiten stützten.
  • 1‘2000 Zuhörer aus der Flüchtlingssiedlung und der nahen Umgebung wurden über eine lokale Radio-Talkshow zum Thema Frühverheiratung und physischer, wie auch psychischer Kindesmissbrauch von YGlobal Experten informiert.
  • Jugendliche haben das nötige Wissen, wie sie ihre Interessen und Anliegen öffentlich und bei lokal-politischen Plattformen einbringen können.
  • Die Jugendlichen beteiligen sich aktiv daran, die Gemeindemitglieder für ihre Anliegen zu sensibilisieren und übernehmen aktive Rollen in der Gemeinschaft, welche dieser zugutekommen.
Jugendliche beteiligen sich politisch
  • Jugendliche, die 30% der Flüchtlingsbevölkerung in Kiryandongo ausmachen, sind direkt in die offiziellen Dialoge über politische Massnahmen einbezogen und können so ihre Anliegen platzieren, die sich auf ihr Leben und das friedliche Zusammenleben der Geflüchteten auswirken.
  • Mit Unterstützung von YGlobal Uganda wurde ein von Jugendlichen geleitetes politisches Dialogforum mit lokalen Regierungsvertretern organisiert. Im Rahmen des Dialogs wurden mehrere politische Empfehlungen angenommen, darunter die Ausarbeitung einer örtlichen Regelung zum Schutz von Flüchtlingen vor der Ausbeutung durch Mitglieder der Gemeinschaften, insbesondere wenn sie Land für die Bewirtschaftung pachten. Die politischen Entscheidungsträger einigten sich auch darauf, den vereinfachten Zugang für jugendliche Flüchtlinge zu Fördermitteln der lokalen Regierung zu prüfen.

Resultate 2021

Jugendliche haben Bewältigungsstrategien
  • 1’500 Personen erhielten psychosoziale Unterstützung.
  • Im Rahmen der «Let Girls Talk» Initiative und der entsprechenden «Let Boys Talk» Initiative erhielten 80 Mädchen und Jungen in Uganda Mentoring zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten und grundlegenden Lebenskompetenzen.
  • Ein Beratungszentrum wurde gebaut, wo u.a. psychosoziale Beratungen durchgeführt werden können.
  • Die Jugendlichen erhielten einen sicheren Ort, Tabuthemen wie Menstruation, Pubertät und Verhütung zu besprechen und aufgeklärt zu werden. Sie wissen somit besser über ihre Gesundheitsrechte Bescheid.
  • Jugendliche verfügen über bessere Bewältigungsmechanismen.
  • Durch den Bau des Beratungszentrums konnte die Qualität der psychosozialen Beratung verbessert werden, da es näher an den Begünstigten liegt und mehr Privatsphäre für die Beratungsgespräche bietet.
Jugendliche engagieren sich aktiv in ihren Gemeinschaften
  • 20 Jugendliche nahmen an einer Advocacy Schulung teil.
  • Bis zu 1’000 Zuhörer aus der Flüchtlingssiedlung und der nahen Umgebung wurden über die lokale Radio-Talkshow zum Thema Frühverheiratung und physischer, wie auch psychischer Kindesmissbrauch von YGlobal Experten informiert.
  • Jugendliche lancierten und leiteten eine Initiative für gutes Hygienemanagement, um die Ansteckung der Bevölkerung mit übertragbaren Krankheiten wie Cholera und Durchfall sowie Covid-19 vorzubeugen.
  • Jugendliche haben das nötige Wissen, wie sie ihre Interessen und Anliegen öffentlich und bei lokal-politischen Plattformen einbringen können.
  • Die Jugendlichen beteiligen sich aktiv daran, die Gemeindemitglieder für ihre Anliegen zu sensibilisieren und übernehmen aktive Rollen in der Gemeinschaft, welche dieser zugutekommen.
Jugendliche beteiligen sich politisch
  • Durch die Lobbyarbeit von Jugendlichen von YGlobal Uganda wurde ein Gesetz ratifiziert, wodurch Jugendliche nun in den Vorstand des Refugee Welfare Committee in Kiryandongo gewählt werden und somit ihre Anliegen auf politischer Ebene einbringen können.
  • Jugendliche, die 30% der Flüchtlingsbevölkerung in Kiryandongo ausmachen, sind direkt in die offiziellen Dialoge über politische Massnahmen ein-bezogen und können so ihre Anliegen platzieren, die sich auf ihr Leben und das friedliche Zusammenleben der Geflüchteten auswirken.

 

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Auf einen Blick

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Fakten zum Programm

Bezeichnung: Hope Beyond Borders - Bessere Perspektiven für Geflüchtete
Partnerorganisation: YGlobal Uganda
Standorte: Flüchtlingscamps in Kiryandongo und Adjumani, Uganda
Ziel: Integration der Jugendlichen in ihrem Gastland (Uganda) und Beteiligung an der Friedens- und Gerechtigkeitsförderung in ihrem Herkunftsland (Südsudan)
Zielgruppe: 2'000 Jugendliche aus den beiden Flüchtlingssiedlungen und dem angrenzenden Dorf
Mittelbedarf 2023: CHF 170'000
Dauer: Projekt besteht seit 2021, aktuelle Phase: 2023 - 2024
Verantwortlich: Amélie Gottier, amelie.gottier at horyzon.ch

Fakten über Uganda

Einwohnende: 47,1 Millionen (2021)
Hauptstadt: Kampala
Human Development Index: 0.525 (Rang 166 von 191)
Lebenserwartung: 46,3 Jahre (2022)

Quelle: Human Development Report