Palästina: Joint Advocacy Initiative

Einsatz für Frieden und Menschenrechte - Joint Advocacy Initiative. Ein Programm, welches weltweit die Menschen für die schwierige Situation der Palästinenser sensibilisiert.

Die «Joint Advocacy Initiative» (JAI) ist ein gemeinsames Programm von YMCA Ostjerusalem und YWCA Palästina mit dem Ziel, Jugendliche und Partner weltweit auf die schwierige Situation in Palästina aufmerksam zu machen. Zusätzlich werden in der eigenen Gesellschaft gewaltlose Mittel zur Lösung des Konfliktes propagiert und die Vernetzung mit anderen Organisa-tionen der Zivilgesellschaft wird gefördert. Mit der «Olivenbaumkampagne» wird zudem ein wichtiger Beitrag geleistet zum Erhalt der Lebensgrundlagen von palästinensischen Olivenbauern.

Durchführende Partnerorganisation und Standorte

YMCA entstand in Palästina am Ende des 19. Jahrhunderts und ist damit eine alteingesessene pa-lästinensische Institution. 1918 wurde YWCA of Palestine gegründet. Die Geschichte von YMCA und YWCA in Palästina ist eng mit der palästinensisch-israelischen Geschichte verbunden. Nach der Entstehung des israelischen Staates und der damit verbundenen Flüchtlingswelle von 1948 gehörten YMCA und YWCA zu den ersten Organisationen, die Angebote für Kinder und Jugendliche in den Flüchtlingslagern der Westbank aufbauten.

Horyzon arbeitet seit 1993 mit YMCA Ostjerusalem zusammen und seit mehr als 10 Jahren mit YWCA Palästina. Neben der «Joint Advocacy Initiative» führen beide Organisationen noch weitere Programme, wie zum Beispiel das Wiedereingliederungsprogramm für behinderte und traumatisierte Jugendliche oder Berufsausbildungszentren für Jugendliche und junge Frauen.
Die Angebote der «Joint Advocacy Initiative» stehen allen jungen Menschen ungeachtet ihrer religiösen und politischen Zugehörigkeit offen und tragen ihren elementaren Bedürfnissen nach Würde, Frieden und Sicherheit Rechnung.

Zielgruppen

60 jugendliche Palästinenser/-innen in Jugendgruppen die regelmässig an Workshops und in inter-nationalen Austauschprogrammen teilnehmen. 125 weitere palästinensische Jugendliche, die in Workshops ausgebildet werden oder sich an Kampagnen beteiligen. 165 Jugendlichen aus anderen Ländern, die die Lage vor Ort kennenlernen. 120 palästinensische Familien, die von der «Olivenbaumkampagne» profitieren. Darüber hinaus wird ein grosser Teil der palästinensischen Bevölkerung durch medienwirksame Kampagnen erreicht. Zudem erreicht die JAI im Ausland rund 11'000 Menschen und diverse Nichtregierungsorganisationen sowie UNO-Organisationen mit Sensibilisierungsaktionen.

Ziele

Ziel der «Joint Advocacy Initiative» ist, Jugendliche und Partner weltweit auf die schwierige Situation in Palästina aufmerksam zu machen und Entscheidungsträger in internationalen Organisationen über die anhaltende Konfliktsituation zu sensibilisieren. Zusätzlich werden in der eigenen Gesellschaft gewaltlose Mittel zur Lösung des Konfliktes propagiert und die Vernetzung mit anderen Organisationen der Zivilgesellschaft wird gefördert.

Aktivitäten & Wirkung

Bereich «Sensibilisierung, Advocacy- und Menschenrechtsarbeit für Jugendliche»

Aktivitäten

Erarbeiten und Durchführen von Ausbildungsworkshops für jugendliche Palästinenser/-innen zur Vermittlung von Menschen- und Völkerrechtskenntnissen. Teilnahme der JAI-Jugendgruppen an Austauschprogrammen mit Jugendlichen von JAI-Partnern im Ausland. Organisation von Exkursionen für die JAI-Jugendgruppen. Durchführung von Jugendcamps. Durchführung von Konferenzen mit Teilnehmenden aus verschiedenen Ländern. Mitorganisation eines Events am „Internationalen Gebetstag für den Frieden“. Mitorganisation des „Shepherds Nights Festival“.

Wirkung

Jugendliche in Palästina sind sensibilisiert für gewaltfreie Methoden der Konfliktlösung und be-teiligen sich aktiv an Menschenrechts- und Friedenskampagnen.

Bereich «Internationale Zusammenarbeit und Vernetzung»

Aktivitäten

Besuch bei YMCA/YWCA Organisationen in anderen Ländern. Durchführen der Bildungs- und Begegnungsreisen «Journey for Justice» sowie «Witness Visit». Organisation von Studienrei-sen für Studenten und Jugendliche. Durchführung eines Events am „Internationalen Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk“. Rekrutierung von internationalen Volontärinnen und Volontären, die für JAI in Palästina arbeiten und sich nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat-länder weiterhin engagieren.

Wirkung

Jugendliche aus anderen Ländern, internationale YMCA/YWCA Organisationen sowie andere Nichtregierungsorganisationen führen in ihren Heimatländern selbständig Aktionen und Events durch, um auf die Menschenrechtslage in den besetzten palästinensischen Gebieten aufmerk-sam zu machen und um sich für die Rechte der palästinensischen Bevölkerung einzusetzen.

Bereich «Olivenbaumkampagne»

Aktivitäten

Durchführen von Aktionen zum Pflanzen von Olivenbäumen und Pflücken von Oliven für rund 275 Teilnehmer/-innen. Ausbildung für und Unterstützung von Olivenbauern, deren Land von Konfiszierung bedroht ist. Vierteljährliche Herausgabe eines Magazins über die «Olivenbaum-kampagne». Produktion und Vertrieb von Olivenbaum-Kalendern. Produktion von Kurzfilmen, die über die Olivenbaumkampagne informieren.

Wirkung

Internationale Sponsoren und Freiwillige leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Le-bensgrundlage der palästinensischen Olivenbauern.

Resultate (2016)

Bereich «Sensibilisierung, Advocacy- und Menschenrechtsarbeit für Jugendliche»


Wirkung (Outcome): Jugendliche in Palästina wurden sensibilisiert für gewaltfreie Methoden der Konfliktlösung und beteiligten sich aktiv an Menschenrechts- und Friedenskampagnen.
Erbrachte Leistungen (Output): 79 Studentinnen und 52 Studenten (insgesamt 131 jugendliche Pa-lästinser/-innen) wurden in fünf Workshops ausgebildet. Sie lernten das Humanitäre Völkerrecht kennen und wie sie sich in lokalen, regionalen und nationalen Gremien für dessen Einhaltung enga-gieren können. Die Jugendlichen wurden zudem informiert über ihre Rechte als Bürger/-innen in ei-ner Demokratie und wie sie diese einfordern können. Die Teilnehmenden wurden zusätzlich in Kommunikation, Lobbying und Advocacy ausgebildet. Diese Studenten verfügen nun über die not-wendigen Fähigkeiten, sich in ihrem Umfeld und an ihren Universitäten auf gewaltlose Weise für ihre Rechte sowie für einen gerechten Frieden einzusetzen.

Studenten der Al Najah University, die an einem der Workshops teilnahmen. (Foto: JAI, 2016)
Zusätzlich wurden 30 Gymnasiasten aus der Umgebung Beit Sahour und Bethlehem in den gleichen Themen ausgebildet. Acht dieser Jugendlichen reisten anschliessend nach Dänemark und Norwe-gen, wo sie gleichaltrige Gymnasiasten über die Situation in Palästina aufklärten.
19 jugendliche Palästinenserinnen von YWCA Jerusalem nahmen an einer von JAI organisierten Exkursion teil und lernten die Situation in Bethlehem besser kennen. Die Gruppe besuchte das Aida und das Deheisheh Flüchtlingslager um zu sehen, wie die Bevölkerung dort lebt. Für einige von ihnen war es der erste Besuch in einem Flüchtlingslager.

 

Bereich «Internationale Zusammenarbeit und Vernetzung»

16 Jugendliche aus fünf verschiedenen Ländern sowie aus Palästi-na nahmen an der «Journey for Justice 2016» teil. Sie lernten, wie die palästinensische Bevölkerung in der Konfliktsituation lebt und mit welchen Problemen sie konfrontiert ist. Beispielsweise besuchten die Teilnehmenden den Checkpoint bei Bethlehem um 5 Uhr morgens um zu sehen, wie dieser die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bevölkerung einschränkt.
Drei Studentengruppen aus Dänemark und zwei aus Norwegen mit insgesamt 101 Studenten be-suchten das Westjordanland auf Studienreisen. Sie besuchten diverse Nichtregierungsorganisatio-nen, die sie über die aktuelle Situation informierten, und sie tauschten sich mit den von JAI ausgebil-deten Studenten aus. Zusätzlich besuchten 145 Vertreter/-innen von Kirchen und kirchennahen Or-ganisationen das Westjordanland und wurden über die Situation vor Ort informiert. Zurück in ihren Heimatländern starteten diese sie Informations- und Unterstützungskampagnen.
Eine jugendliche Palästinenserin aus der JAI-Jugendgruppe machte eine dreiwöchige Vortragstour durch die USA und berichtete über das Leben von Frauen und Jugendlichen in Palästina. Die Vor-träge wurden von insgesamt 600 Personen besucht.
JAI versendete alle zwei Wochen einen Newsletter an rund 11'000 Empfänger/-innen mit Berichten über bevorstehenden und vergangene Aktivitäten sowie weitere relevante Entwicklungen aus Paläs-tina. Die Anzahl erreichter Personen über soziale Medien stieg 2016 weiter an. Ende Dezember 2016 zählte die Facebook-Gruppe von JAI 4'474 Mitglieder (Dezember 2015: 4'300 Mitglieder; De-zember 2014: 3'511 Mitglieder). Auch die Facebook-Seite der «Olivenbaumkampagne» erreichte mit 2'600 „Likes“ mehr Personen als noch in den Vorjahren (2'200 Likes Ende Dezember 2015; 1'350 Li-kes Ende Dezember 2014).
3 Volontäre absolvierten 2016 einen Einsatz zwischen drei und sechs Monaten bei JAI, darunter auch eine Schweizerin, die von Horyzon vor, während und nach dem Einsatz betreut wurde.

 

Bereich «Olivenbaumkampagne»

Im Frühling 2016 wurden 11'500 junge Olivenbäume auf 169 ver-schiedenen Feldern angepflanzt. Die Felder befinden sich in 15 verschiedenen Dörfern rund um Bethlehem, Hebron und Ramallah. Diese Olivenbäume wurden von 1'121 Personen und Organisati-onen aus mehr als neun verschiedenen Ländern gesponsert. Darunter waren auch 32 Sponsoren aus der Schweiz, die von Horyzon akquiriert wurden. Rund 1'500 dieser Olivenbäume wurden im Februar 2016 von 32 Freiwilligen, die aus 13 verschiedenen Ländern kamen, während dem alljährli-chen «Olivenpflanz-Programm» gesetzt. Auch Jugendliche aus Palästina werden vermehrt in die «Olivenbaumkampagne» miteinbezogen. So pflanzten im Februar 55 junge Palästinenser/-innen aus Jerusalem rund 200 junge Olivenbäume auf einem Feld im Dorf Al-Khader.
Im Oktober 2016 nahmen 65 Freiwillige aus zwölf verschiedenen Ländern, darunter auch aus der Schweiz, am «Olivenernte-Programm» teil. Die Hilfe bei der Ernte ist für die palästinensischen Bau-ernfamilien nicht nur von symbolischer Natur. Manche können nur wenige Tage auf ihre Felder zum Pflücken der reifen Oliven und sind dann auf Hilfe angewiesen, um alle Früchte ernten zu können. Zusätzlich schützt die Präsenz von internationalen Freiwilligen die palästinensischen Bauern vor Übergriffen von israelischen Siedlern und Soldaten. Auch beim Pflücken halfen wiederum palästi-nensische Jugendliche mit. Eine Gruppe von 33 Jugendlichen aus Jerusalem nahm für einen Tag am «Olivenernte-Programm» teil und pflückte Oliven zusammen mit den Freiwilligen aus anderen Ländern.

Standort

Palästina

Auf einen Blick

Flag of Palestine
Fakten zum Programm

Bezeichnung: Joint Advocacy Initiative
Partnerorganisation: YMCA Ostjerusalem und YWCA Palästina
Standort: Beit Sahour
Ziel: Sensibilisierung auf die schwierige Situation, Vernetzung, konfliktfreies Leben und Sicherstellung Lebensgrundlage der Olivenbauern.
Zielgruppe: Direkt ca. 350 Jugendliche, 120 Familien der Olivenbaumkampagne. Weltweit ca. 11'000 Personen.
Mittelbedarf: CHF 195'700
Dauer: 2016-2018 / Initiiert Januar 2001
Verantwortlich: Andrea Rüegg, andrea.rueegg at horyzon.ch

Fakten über Palästina

Hauptstadt: Ostjerusalem
Einwohner: 4.7 Mio
Human Development Index: 0,684 (Rang 114.)
Lebenserwartung: 73.1 Jahre
Medianalter: 19.3 Jahre
Jugendarbeitslosigkeit (15-24 Jahre): 39.8%

Quelle: Human Development Report